Exkursion: Auf den Spuren von Kyrill und Method in Mähren und der Slowakei

Slawistik-Studierende suchten unter Leitung von Prof. Roland Meyer und Dr. Robert Hammel nach Spuren der Slawenmission und des Großmährischen Reiches in Tschechien und der Slowakei: Prag, Staré Město, Velehrad, Brünn, Bratislava, Nitra (7.-13.4.2014)

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Im Jahre 863 entsandte der oströmische Kaiser Michael III. die Brüder Konstantin und Methodius zur Mission der Slawen in das Großmährische Reich. Hier entstanden die ersten altkirchenslawischen Schriften. Doch schon gegen Ende des 9.Jh. mussten die Schüler der „Slawenapostel“ nach Süden fliehen, Anfang des 10.Jh. ging das Großmährische Reich unter und hinterließ kaum reale Spuren. Umso reichhaltiger wirkt es bereits seit Zeiten Karls IV. als Quelle der Mythenbildung, als nationale und panslawische Projektionsfläche, als Symbol früher kultureller Blüte und Religiosität.

Nach der Ankunft am Prager Hauptbahnhof und dem Abladen des Gepacks in der Pension trafen wir uns mit dem Archaologen Jan Hasil. Dieser begleitete uns zur Burg Vyšehrad, die bereits im 10. Jh. Jahrhundert entstanden ist, und führte uns durch die Burganlage.

Am zweiten Tag besichtigten wir das Kloster Strahov mit der berühmten theologischen Bibliothek, die einige Unikate und sogar Handschriften aus dem 9. Jh. besitzt. xDanach machten wir einen Ausflug ins Kloster nach Sázava, das ca. 40 km von Prag entfernt liegt. Der Schienenbus wartete extra auf unsere Gruppe. Das Kloster Sázava wurde im Jahre 1032 vom Hl. Prokop gegründet und war das Zentrum des kirchenslawischen Schrifttums nach dem Ende des Großmährischen Reiches. Es hielt als einziges in Böhmen den Gottesdienst noch das 11. Jh. hindurch in altkirchenslawischer Sprache ab. Die Gruppe besuchte im Kloster die Ausstellung „Altslawisches Sázava“ mit einer Führung.

Am dritten Tag ging es mit dem Zug weiter Richtung Osten nach Brno, der zweitgrößten Stadt Tschechiens. Nach einer umfassenden Stadtbesichtigung trafen wir uns in der Akademie der Wissenschaften mit dem führenden Experten für altkirchenslawisches Schrifttum, Prof. Dr. Radoslav Večerka. Er hielt in einen Vortrag zu sprachlichen Belegen für die Lokalisierung des Großmährischen Reiches in Mähren (nicht in Serbien) und freute sich offenkundig über die rege Diskussion.

Am vierten Tag machten wir uns auf zu einem Tagesausflug nach Uherské Hradiště und Velehrad. In Uherské Hradiště gab es eine Führung des Archäologen doc. PhDr. Luděk Galuska im mährischen Landesmuseum, das anlässlich des 1150 jährigen Jubiläums eine Dauerausstellung über die Anfänge des Christentums in Mähren anbietet. Unter anderem stellte er verschiedene Fundstellen vor, z.B. eine Kirche in Staré Město und das Sakralzentrum auf der Anhöhe Sady, die eng mit dem Erzbischof Method verbunden ist. In Staré Město soll eben dieser im Jahre 885 verstorben sein, was bis heute jedoch nicht bewiesen werden konnte. Nach der Führung ging es weiter nach Modrá, eine direkt angrenzende Gemeinde an Velehrad, heutiger Wallfahrtsort mit dem ältesten Kloster in Mähren und dem Sitz des mutmaßlich ersten slawischen Bistums. In Modrá entstand im 9. Jh. die wahrscheinlich erste steinerne Kirche des Landes St. Johannes, in der angeblich die Apostel Kyrill und Method gepredigt haben sollen. Nachdem 1205 das Kloster Velehrad entstand, verlor die Kirche ihre Bedeutung und wurde erst im Jahre 1911 mit den übrig gebliebenen Grundmauern wiederentdeckt. Seit 2004 gibt es hier das Freilichtmuseum, das einer großmährischen Siedlung nachempfunden ist, mit der wieder aufgebauten St. Johannes Kirche, in der heute eine Vielzahl an Hochzeiten stattfinden.

Am vorletzten Tag ging die Reise mit dem Zug von Brno nach Bratislava, die Hauptstadt der Slowakei. Nach der Ankunft machten wir eine Stadterkundung. Es ging von der Innenstadt am Präsidentenpalais Grasalkovičov palác in Richtung Burg Bratislava Bratislavský hrad. Auch hier fand man Grundmauern einer dreischiffigen steinernen Kirche aus der Zeit des Großmährischen Reiches. Nach der kurzen Stadterkundung gab es nachmittags ein Treffen in der philosophischen Fakultät der Universität von Bratislava mit Prof. Dr. Pavol Žigo. Dieser stellte einen wichtigen Fund, eine Plakette mit glagolitischer Schrift aus der Zeit des Großmährischen Reiches, vor und diskutierte seine sprachliche Analyse.

Am letzten Tag unternahmen wir einen Ausflug nach Nitra, der ältesten Stadt der Slowakei. Nitra war außerdem das Zentrum der Slawenmission und erstes Bistum auf slowakischem Boden. Die Slawen besiedelten dieses Gebiet schon zu Beginn des 6. Jh., jedoch wird die Stadt zum ersten Mal zu Beginn des 9. Jh. schriftlich erwähnt. Fürst Svatopluk I. war bis zum Jahr 871 Neutraer Fürst und von da an bis zu seinem Tod 894 Herrscher des Großmährischen Reiches.

Die Burg von Nitra erhielt ihr heutiges Aussehen erst im 17 Jh., denn sie besteht aus drei Kirchen aus drei verschiedenen Epochen. Der älteste Teil der Kirche des hl. Emmeram ist aus dem 11. Jh., die wahrscheinlich auf den Fundamenten aus dem 9 Jh. steht, die erst jetzt freigelegt wurden. Nach einer Zerstörung kam eine gotische Kirche aus dem 14. Jh. und eine weitere im 17. Jh. hinzu. Heute ist da der Bischofssitz.

Auf der Reise kamen auch nicht die jeweiligen kulinarischen Spezialitäten des Landes zu kurz. So konnten die Studierenden in Prag die typisch böhmische Küche kosten und Speisen wie Lendenbraten mit Sahnesoße (svíčková na smetaně), böhmische Semmelknödel (knedlíky) oder Kartoffelpuffer mit Käse und Schinken (bramboráčky se sýrem a šunkou) probieren. Ähnlich verhielt es sich in Brno, wo man die Einflüsse der Küche der Österreich-Ungarischen Monarchie sehr stark erkennen konnte. In der Slowakei hingegen kam man nicht um die Brimsennocken (Bryndzové halušky) herum. Hier handelt es sich um kleine Klöße, die mit der Schafskäsesorte Bryndza und Speck serviert werden. Ähnlich dazu gab es auch die Brimsen-Piroggen (Bryndzové pirohy) oder die schon aus Tschechien bekannte Sviečková. In Nitra ging unser Ausflug in die großmährische Vergangenheit (und in die Mythen, die sich um sie ranken) zu Ende und wir machten uns wieder auf den Weg zum Nachtzug in Richtung Berlin.

Text: Michał Piasek